Nidoqueen im Detail
Zweimal Nadel
Der japanische Name ニドクイン (Nidokuin) und der westliche teilen dieselbe Wurzel. Nido kommt von 二度, „zweimal“, wegen der doppelten Entwicklung der Art je nach Geschlecht, und zugleich von ニードル, der japanischen Umschrift von needle, also Nadel – passend für ein Wesen, das mit Stacheln bedeckt ist. Außerdem wurde auf die Ähnlichkeit mit Cnidocyten hingewiesen, den Nesselzellen, mit denen Quallen stechen. Queen ist wörtlich gemeint und braucht keine Erklärung, außer dass es erstaunlich selten ist: Nidoqueen gehört zu den ganz wenigen Pokémon, deren Name das Geschlecht von außen verrät.
Die visuelle Grundlage ist kein einzelnes Tier. Im Panzer und im Horn steckt Nashorn, in den Ohren Kaninchen, in Haltung und Schwanz ein Theropode. Diese Unentschlossenheit ist typisch für die erste Generation, als das Bestiarium noch freihändig und ohne Styleguide gezeichnet wurde.
Der späte Aufstieg
In den ersten fünf Generationen war sie im Wettbewerb ein Lückenfüller: gute Typen, ordentliche Ausdauer, aber keine offensive Zahl, die ihren Einsatz vor anderen Optionen gerechtfertigt hätte. Zwei Änderungen holten sie aus der Versenkung. In der sechsten Generation stieg ihr Basis-Angriff von 82 auf 92 – dieselbe Anpassung bekam Nidoking, das von 92 auf 102 kam –, und bereits in der fünften Generation kam Rohe Gewalt hinzu.
Die Fähigkeit erledigt die ganze Arbeit und passt fast zufällig zu ihr. Ihre TM-Liste war voller spezieller Attacken mit Zusatzeffekt, die ihr nichts brachten: Matschbombe, Eisstrahl, Flammenwurf, Donnerblitz, Spukball. Mit Rohe Gewalt verschwinden diese Effekte und die Stärke steigt, sodass eine Attacke nach der anderen zu einem sauberen, berechenbaren Treffer wird. Ein Pokémon mit 75 Spezial-Angriff war plötzlich nicht mehr harmlos, ohne dass dieser Wert selbst verändert wurde.
Gegen ihren Bruder
Der Vergleich mit Nidoking ist unvermeidlich und schnell beantwortet. Er hat 102 Angriff, 85 Spezial-Angriff und 85 Initiative; sie 92, 75 und 76, dafür aber 90 KP gegenüber 81 und 87 Verteidigung gegenüber 77. Dieselben Typen, dieselbe Versteckte Fähigkeit, fast identische Attackenlisten. Nidoking schlägt härter zu und ist schneller; Nidoqueen steckt den ersten Treffer ein und steht danach noch. Smogon hat sie genau deshalb im selben Artikel gegenübergestellt: Sie sind nicht austauschbar, sondern zwei Arten, dieselben Typen einzusetzen.
Gegen Rizeros, den anderen kräftigen Boden-Typ aus Kanto, liegt der Vorteil in der Verteilung: Rizeros schlägt deutlich härter zu, hat aber eine vierfache Schwäche gegen Wasser und Pflanze, während Nidoqueen keine vierfache Schwäche besitzt und außerdem immun gegen Elektro ist.
Details aus dem Haus
Kraftkoloss, 120 Stärke und vom Typ Kampf, ist in ihren Daten als Entwicklungsattacke markiert: Sie erlernt ihn bei der Entwicklung und nicht durch Levelaufstieg. Ihr EV-Ertrag beträgt 3 KP, passend zu einem Wesen, das sich über seine Ausdauer definiert. Und die Basis-EP von 227 gehören zu den hohen Werten für ein nicht legendäres oder pseudo-legendäres Pokémon der ersten Generation.