Lapras im Detail
Das Seeungeheuer und der Mathematiker
Der Körper ist der eines Plesiosauriers: langer Hals, kurzer Rumpf, vier Flossen und keine Beine. Dazu kam das Ungeheuer von Loch Ness, von dem die Silhouette im Wasser und die Idee einer riesigen, schwer auffindbaren Kreatur stammen, die kaum jemand zu Gesicht bekommt. Für den höckerigen Panzer gibt es kein fossiles Vorbild; er ist da, damit Menschen darauf sitzen können.
Der japanische Name ラプラス wird „Rapurasu“ gelesen und verweist auf Pierre-Simon Laplace, den Mathematiker und Astronomen, der sich mit der Bewegung der Gezeiten beschäftigte. Das Englische beschränkte sich auf die Umschrift. Das Französische, Lokhlass, wechselt die Referenz und verbindet Loch Ness mit der Vorstellung von Eis.
Ein Exemplar pro Spielstand
In Rot und Blau bekam man genau eines, und zwar nicht durch Fangen: Ein Mitarbeiter der Silph Co. schenkte es einem, nachdem man das Gebäude geräumt hatte. Wer es zurückließ, ging ohne es aus, sofern kein Tausch möglich war. Gold und Silber ersetzten diese Methode durch eine ähnlich geizige Variante mit einem wöchentlichen Auftauchen im Einheitstunnel. Diese künstliche Knappheit passt zu den Einträgen, die von einer dezimierten Art mit nur wenigen verbliebenen Exemplaren erzählen.
Alola drehte die Sache um. Dort ist es kein seltener Preis, sondern Infrastruktur: eines der PokéMobil-Pokémon, das Surfer ersetzt und mit dem man das Meer zwischen den Inseln überquert.
Fünftausend auf dem Rücken
Schwert und Schild gaben ihm eine Gigadynamax-Form, und der Witz des Designs besteht darin, seine Transportfunktion bis ins Absurde zu treiben. Der Panzer wird zu einem Passagierschiff mit eingemeißelten Musiknoten, und der Pokédex versichert, dass gleichzeitig 5000 Menschen darauf Platz haben, ohne dass auch nur das geringste Schaukeln entsteht. Außerdem erhält es eine exklusive Gigadynamax-Attacke, die einzige ihrer Art in der gesamten Reihe. Sie verursacht nicht nur Schaden, sondern erzeugt fünf Runden lang einen Auroraschleier, ohne dass es schneien muss; Stärke und Kategorie, physisch oder speziell, hängen von der Eis-Attacke ab, aus der sie hervorgeht.
Was man ihm in einem normalen Spiel abverlangen kann
Außerhalb des Wettbewerbs hält es praktisch alles aus. Mit Eisstrahl auf Level 45 und Surfer per TM deckt es mit zwei Knöpfen das halbe Spiel ab, und die 130 KP lassen es Fehler überleben, die ein anderes Pokémon den Kampf kosten würden. Eissplitter auf Level 20 erledigt angeschlagene Gegner und greift trotz der 60 Initiative vor dem Rivalen an. Abgesang auf Level 60 ist die Kuriosität in seinem Repertoire: Drei Runden später gehen beide zu Boden. Gegen einen Gegner, der nicht auswechseln kann, gewinnt man damit Tauschgeschäfte, die sonst verloren wären.
Im Vergleich zu Jugong, dem anderen Wasser- und Eis-Pokémon aus Kanto, gewinnt es auf fast jeder Position. Gegenüber Austos liegt der Unterschied eher in der Verteilung als in der Menge: Austos setzt auf eine enorme Verteidigung und eine lächerliche Spezial-Verteidigung, während Lapras seine Widerstandskraft gleichmäßig verteilt und von beiden Seiten ähnlich gut einsteckt. Und Arktos, das reine Eis-Pokémon derselben Generation, entgeht dank seines Flug-Typs Erdbeben; Lapras tut das nicht und erleidet wegen seines Wasseranteils außerdem doppelten Schaden durch Donner und Donnerblitz.