Nincada im Detail
Eine Zikade auf halbem Weg nach draußen
Das Design zeigt eine Zikadennymphe, also die Phase, in der das Insekt unterirdisch lebt, Pflanzensaft aus Wurzeln saugt, dann an einen Stamm klettert und aus seiner Hülle schlüpft. Echte Zikaden verbringen je nach Art Jahre unter der Erde, und die Einträge im Spiel wiederholen die Angabe von mehr als zehn Jahren. Daher kommt der Typ Boden, der bei einem Käfer nicht naheliegt, solange man nicht weiß, um welchen Käfer es sich handelt.
Der englische Name verbindet ninja mit cicada, also Zikade. Der japanische Name ツチニン macht dasselbe mit 土 (Erde) und der Silbe ニン aus ninja. Und der Witz zieht sich nach oben weiter: Ninjask ist die erwachsene Zikade, mit der passenden Geschwindigkeit und den passenden Flügeln, während Ninjatom die Exuvie ist, die leere Hülle, die draußen an der Rinde hängen bleibt. Die ganze Entwicklungslinie ist eine Häutung, erzählt in drei Bildern.
Der freie Platz und der Ball
Der Mechanismus, der Nincada berühmt macht, steckt nicht im Pokémon, sondern im Menü. Bei der Entwicklung wird das Team geprüft: Ist ein Platz frei, erzeugt das Spiel ein zweites Pokémon aus dem Körper, den Nincada gerade zurückgelassen hat. Rubin, Saphir und Smaragd verlangten nur das. Ab der vierten Generation kam der Pokéball hinzu, der außerdem verbraucht wird, und in den meisten Spielen muss es ein gewöhnlicher Pokéball sein, kein Superball und keine andere Variante.
Die praktische Folge: Viele Leute haben ihr Nincada mit einem vollen Team entwickelt und nie erfahren, worauf sie verzichtet haben. Ninjatom entschädigt für den Aufwand: Es hat kaum KP, aber seine Fähigkeit sorgt dafür, dass es nur von sehr effektiven Attacken getroffen wird. Gegen einen Gegner ohne die passende Coverage ist es dadurch unantastbar. Das Spiel kündigt dieses Ergebnis nirgendwo an.
Die Level, die es nie erlebt
Ein Detail fällt auf, wenn man die Liste der Attacken nach Leveln betrachtet: Sie reicht weit über den Punkt hinaus, an dem Nincada aufhört zu existieren. Absorber auf Level 21, Metallklaue auf Level 25, Kratzfurie auf Level 30, Telepathie auf Level 35, Schaufler auf Level 40. Da es sich auf Level 20 entwickelt, erreicht ein Nincada diese Attacken nur, wenn der Trainer die Entwicklung bei jedem Levelaufstieg von Hand abbricht und das zwanzig Level lang durchzieht. Die Belohnung für diese Sturheit sind Kratzfurie und Schaufler mit 45 Angriff – genau so wenig, wie es klingt.
Verglichen mit Waumpel, dem anderen Käfer aus Hoenn mit einer in zwei Zweige geteilten Entwicklung, ist der Kontrast klar: Dort hängt die Verzweigung von einem verborgenen Wert ab, auf den der Spieler keinen Einfluss hat; hier hängt sie von zwei Dingen ab, die im Menü sichtbar sind. Auch die Effizienz der Fleiß-Punkte passt dazu: 1 Punkt Verteidigung, stimmig für dieses gepanzerte Wesen, das sein Leben damit verbringt, Erde wegzuschieben. Nichts davon macht Nincada zu einem guten Pokémon. Interessant ist der Ablauf – und der dauert bis Level 20.