Octillery im Detail
Ein Kopffüßer mit Patronenkammer
Das Japanische macht es ganz offen. オクタン, Okutan, setzt „octopus“ und „tank“ zusammen: Oktopus und Kampfpanzer in vier Silben. Das Englische wechselt die Waffe, behält die Idee aber bei, denn Octillery verbindet „octopus“ mit „artillery“. Beide Lesarten führen zum selben Ergebnis — ein Weichtier, das zu einem Geschütz geworden ist, mit einem Rohr als Maul und einem Körper in Mennigefarbe. Das Deutsche hat den englischen Namen unverändert übernommen, wie es bei fast der gesamten zweiten Generation der Fall war.
Die Verbindung reicht auch nach hinten. Remoraid mischt den Namen des Saugbarben, eines Fisches, der sich an große Tiere heftet, um von deren Resten zu profitieren, mit dem Profil eines Revolvers: Die dunklen Streifen an der Seite zeichnen den Lauf nach, die Bauchflosse übernimmt die Rolle des Abzugs und die Schwanzflossen bilden Kolben und Schlagbolzen. Eine ganze Entwicklungslinie, die auf Schusswaffen aufbaut und mit einem Kanonenrohr endet, das auf acht Tentakeln montiert ist.
Der Sprung, den niemand geglaubt hat
Dass sich ein kleiner Fisch in einen Oktopus verwandelt, hat in der Reihe kein Gegenstück. Lange Zeit gab es Leute, die das rundweg bestritten, und Bulbapedia führt diesen Unglauben als eines der langlebigsten Missverständnisse aus Gold und Silber an: Die anatomischen Unterschiede zwischen den beiden Formen sind so gewaltig, dass sie wie nicht verwandte Arten wirkten.
Die andere Hälfte der Verwirrung ist Mantax. Die Einträge zu Remoraid erzählen, dass es seine Rückenflosse als Saugnapf benutzt, um sich am Bauch eines Mantax festzuhalten und dessen Reste zu fressen. Das Spiel hat diese Symbiose schließlich in eine Spielmechanik verwandelt: Mantirps entwickelt sich nur, wenn es mit einem Remoraid im Team ein Level aufsteigt. Dasselbe Wesen führt also zu zwei verschiedenen Enden, und nur eines davon ist dieses hier.
Was man mit 45 Initiative anfangen soll
Die beiden 105 laden zu einem gemischten Set ein, aber hier sollte man vor dem Statistikblatt lieber die tatsächliche Attackenliste ansehen. Was es per Levelaufstieg lernt, ist von oben bis unten speziell: Hydropumpe, Eisstrahl, Aquawelle, Ladungsstoß. Der physische Angriff existiert auf dem Papier und bleibt fast ohne passende Attacken, sofern man nicht auf TMs zurückgreift. In der Praxis hat man also einen speziellen Angreifer mit 105, von dessen Werteblatt die Hälfte ungenutzt bleibt.
Die Kombination mit der meisten inneren Logik ist Säurespeier gefolgt von Hydropumpe. Säurespeier kommt früh — auf Level 6 —, senkt die Spezial-Verteidigung des Gegners um zwei Stufen, und danach folgen 110 Stärke bei einem Spezial-Angriff von 105. Der Preis ist eine Runde, und bei 45 Initiative ist diese Runde gegen alles, was zuerst zuschlägt, teuer.
Im Vergleich zu Gorebyss, dem anderen langsamen Wasser-Pokémon mit hohem Spezial-Angriff, liegt der Unterschied in der Methode: Gorebyss bereitet sich mit eigenen Statuswertsteigerungen vor, während Octillery darauf angewiesen ist, die Werte des Gegners zu senken oder einen Volltreffer zu landen. Keine der beiden Varianten gleicht seine Verteidigungswerte von 75 aus — genau die Werte eines Pokémon, das einen neutralen Treffer aushält und keinen weiteren.
Spuren in den Spielen
Octazooka war bis zur achten Generation seine exklusive Attacke, wenn auch nie vollständig: Schon früh konnte sie per Zucht an andere Arten weitergegeben werden. Ladungsstoß in der Levelaufstiegsliste ist eine erwähnenswerte Kuriosität, denn damit bekommt Octillery eine Elektro-Antwort gegen Wasser- und Flug-Gegner, die sein reiner Typ sonst nicht treffen kann, und erhöht bei einem Treffer nebenbei den Spezial-Angriff.
Von den sechs Pokédex-Einträgen sprechen vier über Löcher, Tinte oder darüber, dass es sich dorthin verkriecht, wo es nichts zu suchen hat. Es ist ein eher seltener Fall eines Wesens, das stärker durch seine Gewohnheiten als durch seine Attacken definiert wird.