Porygon im Detail
Polygone mit Schnabel
Der Name macht kein Geheimnis daraus. ポリゴン ist die japanische Transkription von polygon, und das Design ist genau das: eine Figur aus gerade so vielen Flächen, wie ein Computer der Neunziger zeichnen konnte, ohne in die Knie zu gehen. Die westliche Version änderte das l in ein r und ließ Porygon stehen — ein Rechtschreibfehler, der zur eingetragenen Marke wurde.
Dass es ein Programm und kein Tier ist, merkt man an seinen exklusiven Attacken. Konversion, die es von Geburt an kennt, und Konversion2 auf Level 25 beherrschen nur es und seine beiden Entwicklungen — sonst niemand im gesamten Pokédex. Die Idee dahinter: Ein Wesen aus Code kann seinen eigenen Typ spontan umschreiben, etwas, das keine Kreatur aus Fleisch kann.
Der 16. Dezember 1997
Die 38. Episode des Animes, Dennō Senshi Porygon, wurde in Japan nur einmal ausgestrahlt. Eine vier Sekunden lange Sequenz, in der eine elektrische Attacke von Pikachu abwechselnd in hoher Geschwindigkeit rote und blaue Blitze erzeugte, löste bei einer enormen Zahl von Zuschauern epileptische Anfälle, Erbrechen und Augenreizungen aus. Die Serie pausierte etwa vier Monate.
Unfair ist, wen die Schuld traf. Das Flackern wurde von Pikachu verursacht, aber die Episode trug den Namen Porygon, und seitdem hatte es im Anime keine bedeutende Rolle mehr: nur kurze Auftritte in den ersten Filmen und in einigen einzelnen Episoden. Seine Entwicklungen mussten noch länger auf ihren Auftritt warten. Kein anderes Pokémon wurde in der Geschichte des Franchises so lange für etwas bestraft, das es nicht getan hat.
Von 75 auf 85 und vom Spielcasino ins Labor
In der ersten Generation gab es noch keine Spezial-Verteidigung: Porygon hatte einen einzigen Spezialwert von 75. Als dieser Wert in der zweiten Generation aufgeteilt wurde, bekam es 85 Spezial-Angriff und 75 Spezial-Verteidigung. Diese kleine Verteilung schob es auf die offensive Seite, auf der es bis heute geblieben ist.
In Rot, Blau und Gelb bekam man es im Rocket-Spielkasino von Prismania City gegen Münzen. Es war der teure Hauptpreis am Schalter, und viele Spieler brachten nie genug zusammen. Das verschaffte ihm einen Ruf als seltenes Pokémon, den seine Werte nicht ganz rechtfertigten — mit 395 Basiswerten liegt es unter fast jeder durchschnittlichen Entwicklung.
Die Entwicklungslinie wurde langsam vervollständigt. Porygon2 erschien in der zweiten Generation und Porygon-Z in der vierten, jeweils mit seinem Entwicklungsitem für den Tausch. Der Witz am Design ist, dass das letzte Update fehlerhaft ausfällt: Porygon-Z hat den Kopf verdreht und schwebt schief in der Luft. Im Inneren funktionierte der Patch dagegen — 135 Spezial-Angriff und 90 Initiative, während Anpassung seine Normal-Attacken verstärkt.
Verglichen mit Magnetilo, dem anderen geschlechtslosen Pokémon der Mineral-Gruppe aus der ersten Generation, hat Porygon weniger visuelle Persönlichkeit und deutlich mehr Entwicklungsspielraum: Das eine bleibt ein Magnet, das andere endet als kaputte Maschine.