Karnimani im Detail
Waninoko, ein Krokodil ohne Metapher
Der japanische Name lautet ワニノコ, Waninoko, und zerlegt sich von selbst: ワニ (wani) bedeutet Krokodil oder Alligator und 子 (ko) Jungtier. Mehr steckt nicht dahinter. Der westliche Name Totodile verbindet total mit crocodile und ist einer der wenigen Fälle, in denen die englische Version verkopfter wirkt als das Original. Das Design geht in dieselbe ehrliche Richtung: ein zweibeiniges Krokodiltier mit übertrieben großen Kiefern und kaum mehr. Kein Mythos, kein Gegenstand, keine Pflanze. Im Gegensatz zu seinen von Symbolik aufgeladenen Generationskollegen ist es hier einfach nur ein echtes Tier, das aufrecht steht.
Besonders ist allerdings, wie viel Gewicht der Eintrag auf seinen Charakter legt. Die drei Pokédex-Einträge sprechen vom Zubeißen, und einer warnt ausdrücklich den Trainer. Es gehört zu den wenigen Arten, deren offizieller Text anerkennt, dass das Pokémon für seinen eigenen Besitzer ein Problem darstellt.
Der Tag, an dem sein Angriff etwas wert wurde
Drei Generationen lang wurden alle Wasser-Attacken mit dem Spezial-Angriff berechnet. Dadurch befand sich diese Entwicklungslinie in einer absurden Lage: Der beste offensive Wert der Familie war der physische Angriff, aber ihre Attacken mit Typbonus wurden über die falsche Seite des Datenblatts abgewickelt. Die vierte Generation trennte die Kategorie nach Attacke statt nach Typ, und plötzlich wurden Kaskade, Aquawelle und Überflutung zu physischen Attacken. Erst dann begann die Verteilung der Werte Sinn zu ergeben.
Die fünfte Generation vollendete den Schritt, indem sie ihm Rohe Gewalt als versteckte Fähigkeit gab. Sie belohnt genau die Bisse und Schläge mit Zusatzeffekt, die sein Repertoire füllen. Es ist ein seltener Fall einer Art, deren Regeln nach und nach aufgeholt haben, statt umgekehrt.
Ein Kiefer mit Gebrauchsanweisung
In einem Spieldurchlauf durch Johto ist die Reihenfolge, in der es seine Attacken bekommt, wichtiger als die Zahlen. Aquaknarre auf Level 6 und Biss auf Level 9 sind im ersten Abschnitt alles, was es hat, und keine der beiden Attacken kommt über 60 Stärke. Der echte Sprung ist Knirscher auf Level 27 mit 80 Stärke — und dann bereits als entwickelte Form. Davor kämpft man mit Silberblick, Grimasse und Durchhaltevermögen.
Eiszahn deckt eine seiner beiden Schwächen ab — den Pflanzen-Typ — und ist der Hauptgrund, die Entwicklung bis Level 19 hinauszuzögern. Gegenüber Feurigel, dem anderen Starter, der ebenfalls auf die physische Seite zielt, liegt der Unterschied in der Coverage: Hier gibt es schon früh Bisse vom Typ Unlicht und Eis, dort nicht.
Eine halbe Gehirnhälfte wach
In Pokémon Sleep wird ihm einseitiger Schlaf zugeschrieben: Es ruht immer nur mit einer Hälfte des Gehirns, etwas, das bei mehreren echten Vögeln und Meeressäugern dokumentiert ist und bei ihm als Schutz vor Angriffen während des Schlafens dargestellt wird. Das ist das spezifischste Detail, das einer Kreatur in fünfundzwanzig Jahren hinzugefügt wurde, deren Eintrag ansonsten noch immer dasselbe sagt wie 1999: Es beißt, und es meint es nicht böse.