Goldini im Detail
Der Fisch mit dem Tosa-Horn
Das japanische Original, トサキント, leitet sich vom Tosakin ab, einer in Japan aus dem Ryukin gezüchteten Goldfischvariante, die für ihren riesigen, fächerförmigen Schwanz berühmt ist. Deshalb betrachtet man das Tier von oben und nicht von der Seite, denn im Profil ist der Schwanz kaum zu erkennen. Die Rasse trägt den Namen Tosa, der früheren Provinz, die heute Kōchi entspricht, und wurde 1969 zum Naturdenkmal erklärt. Daher kommen die Flossen, die der Pokédex als wogend beschreibt: Sie sind keine Erfindung, sondern genau das Merkmal, wegen dem dieser Fisch gezüchtet wird.
Der englische Name Goldeen setzt sich aus goldfish und queen, der Königin, zusammen – passend zu den Wassertiteln, die ihm die Einträge anhängen. Das Französische löst es anders, mit Poissirène aus poisson und sirène.
Was es in der ersten Generation war
In Rot und Blau war Kaskade eine exklusive Attacke von Goldini und seiner Entwicklung. Das hielt nicht lange: Ab der zweiten Generation wurde sie zu einer VM, und der halbe Pokédex konnte sie lernen. Damit verschwand das Einzige, was diese Entwicklungslinie ausgezeichnet hatte. Dasselbe Schicksal ereilte Karpador mit Platscher, nur umgekehrt – Goldini wurde etwas weggenommen, das tatsächlich nützlich war.
Seit der vierten Generation gibt es sichtbaren Geschlechtsdimorphismus: Weibchen haben ein kürzeres Horn als Männchen. Das ist einer der frühen Fälle, die zum Einführen des Systems genutzt wurden, zusammen mit Arten, bei denen der Unterschied ebenfalls an einem Kopffortsatz liegt.
Was man mit einem davon anfangen soll
Taucht es früh im Spieldurchlauf auf, spricht vor allem der Zeitpunkt für es. Hornattacke auf 15 kommt früher als die meisten brauchbaren physischen Treffer auf diesem Abschnitt des Spiels, und Superschall auf 5 verwirrt oft genug, um in den ersten Wasserrouten Züge zu stehlen. Danach flacht die Kurve ab: Zwischen 20 und 30 kommen nur Agilität, Aquaring und Dreschflegel dazu, und bis Kaskade auf 35 dauert es, bevor wieder etwas mit ordentlich Wucht kommt.
Im Vergleich mit Remoraid, dem anderen kleinen Süßwasserfisch, der sich mitten im Spieldurchlauf entwickelt, geht Goldini den physischen Weg und Remoraid den speziellen. Keines von beiden hat nach der Entwicklung die Werte, um sich zu rechtfertigen. Der echte Unterschied besteht darin, dass Remoraid bei der Entwicklung seinen Typ wechselt und Goldini überhaupt nichts ändert.
Geliehenes Vielender
Die stärkste Attacke seines Repertoires, Vielender, gehört ursprünglich nicht ihm: In der zweiten Generation war sie das Markenzeichen von Heracross. Dass ein Goldfisch sie am Ende lernen konnte, lässt sich nur mit dem Horn erklären. Das Ergebnis ist seltsam – ein reines Wasser-Pokémon, dessen bester Angriff vom Typ Käfer ist, mit 120 Stärke und 85 Genauigkeit, verfügbar auf Level 45 bei gerade einmal 67 Angriff, der daraus nicht alles herausholt. Gegen Psycho- und Unlicht-Pokémon ist es das Einzige, was es zu bieten hat, und es funktioniert besser, als sein Datenblatt vermuten lässt.
Das Detail, das das Porträt abrundet, steht im letzten Pokédex-Eintrag: Manche Trainer trainieren ausschließlich Goldini, weil sie von der Größe des Horns und der Form der Flossen angetan sind. Dass sie damit gewinnen, steht da nicht.