Flemmli im Detail
Ein Küken mit Kampfgeist
Der englische Name ist die direktmögliche Zusammensetzung: torch und chick, Fackel und Küken. Im Japanischen steckt mehr dahinter: アチャモ (Achamo) klingt wie 赤子 (akago), Baby, kombiniert mit 軍鶏 (shamo), einer japanischen Kampfhuhnrasse, die seit Jahrhunderten für Kämpfe gezüchtet wird. Der Witz dabei ist, dass der Name Lohgock zweihundert Level ankündigt, bevor es überhaupt auftaucht. Der seidige Flaum aus dem Pokédex-Eintrag und der Kampfhahn sind dasselbe Tier in zwei Lebensabschnitten.
Diese Idee zieht sich auch durch die Attacken. Scanner auf Level 12 ist vom Typ Kampf, und Gegenschlag auf 36 ebenfalls; beide kommen, solange es noch ein reiner Feuer-Typ ohne echten Zugriff auf diesen Typ ist. Aero-Ass auf 18, Sprungfeder auf 24 und Federtanz auf 33 sind die drei Flug-Attacken der Linie, die hier bleiben: Die Entwicklung behält sie, ändert aber den Typ, bevor sie sie sinnvoll einsetzen kann.
Die Fähigkeit, die zu spät kam
Temposchub gab es in Rubin und Saphir noch nicht. Versteckte Fähigkeiten existierten erst ab der fünften Generation, und der Weg, auf dem die meisten Leute ein Flemmli mit Temposchub bekamen, war ein Geschenk: Zwischen dem 12. Oktober 2013 und dem 15. Januar 2014 verteilten Pokémon X und Y über das Internet ein Flemmli mit dieser Fähigkeit und einem Lohgocknit im Gepäck, dem Stein, der Lohgock eine Mega-Entwicklung ermöglicht. Ein Startgeschenk, das jedem, der in diesen drei Monaten die Konsole einschaltete, eine vollständige Mega-Entwicklung in die Hände legte.
Der wichtige Punkt ist, dass die Fähigkeit in einem normalen Spieldurchlauf nichts bringt, solange es Flemmli ist. Temposchub beginnt zu zählen, sobald es das Feld betritt, und ein Pokémon mit 45 KP und 40 Verteidigung hält die nötigen Züge nur selten aus. Die Fähigkeit ist für das gedacht, was danach kommt, und steckt ausgerechnet in der Phase, in der es sie am wenigsten nutzen kann.
Gegen die beiden anderen aus Hoenn
Gegen Geckarbor und Hydropi ist Flemmli die unbequeme Wahl. Die ersten beiden Arenen von Hoenn sind vom Typ Gestein und Kampf, und keiner davon liegt ihm: Der erste widersteht Feuer, der zweite trifft es nach der Entwicklung auf Level 16 mit seiner neuen Schwäche. Ab der vierten Arena wendet sich das Blatt, und am Ende des Spiels ist die Linie mit Abstand die offensivste der drei: 530 Basiswertpunkte bei Lohgock gegenüber den 310 des Ausgangspunkts.
Verglichen mit den übrigen Feuer-Startern ist nicht die Stärke der entscheidende Unterschied, sondern der Zeitpunkt. Glumanda, Feurigel und Panflam schlüpfen schneller aus dem Ei, während Flemmli seine Geschwindigkeit später und in Raten bekommt: eine Stufe pro Zug. Der Unterschied zwischen einem Wert und einem Mechanismus, mit dem man ihn erst herstellen muss.
Der Flaum und die Zahlen
Zwei Zahlen aus dem Pokédex passen nicht ganz zusammen, und das ist erwähnenswert: Die Feuerbälle erreichen 1000 °C, während der Körper laut derselben Quelle eine Temperatur hat, bei der man es umarmen kann. Die Einträge erklären das mit dem inneren Beutel, einem abgeschirmten Bereich, in dem die Flamme brennt. Es ist eines der wenigen Male, dass der Pokédex einen Mechanismus statt eines Adjektivs liefert.
Besiegt man es, bringt es 1 Basispunkt auf Spezial-Angriff, was zu seinen 70 in diesem Wert passt und zu allem widerspricht, was die Linie ab Level 16 macht.